The Magnificent Brotherhood of  Eternal Love & The Happiness's Close Companions
live at
Linse, Berlin (D)
15.07.2007

review by Ralf Stierlen
pictures by Peter Tenzler

originally published on Home of Rock 24.07.2005
Der Jugendclub Linse, seit 1991 eingetragener Verein, kümmert sich um Kultur und Freizeit junger Leute in Berlin-Lichtenberg und bietet in diesem Zusammenhang außer einem Bandraumprojekt auch die Veranstaltungsreihe LibeRo (das steht nicht für einen Nachfahren Beckenbauers, sondern für "Lichtenberg rockt"), bei der in loser Folge Konzert abseits des Mainstream organisiert werden. Zwar ist der Club, der mittlerweile in der Parkaue beheimatet ist, relativ schwer zu finden und der "Ballraum" als Konzertsaal ein wenig ungeeignet, da die Bühne ziemlich eng ausfällt, dafür weit nach hinten ausläuft (so dass die Musiker in Zweiergrüppchen eher hintereinander stehen) und eine Zwischenwand den Zuschauerraum verkleinert, aber es war schon einmal sehr positiv, dass sich überhaupt noch eine Location gefunden hat, um dieses Konzert stattfinden zu lassen, nachdem das ursprünglich vorgesehen Waldschloss in Potsdam kurzfristig (zumindest in Sachen Konzertveranstaltung) in die ewigen Jagdgründe gegangen ist. Ein besonderer Dank daher auch (mal wieder) an b.e.a.p., dass die phantastischen SIENA ROOT wieder einmal in Berlin gastieren durften.


Zuerst galt es jedoch, das Hindernis Einlasskontrolle zu überwinden. Leider waren die dort anwesenden muskelbepackten Oben-Ohne-Träger (ich meine damit die Haare) offensichtlich Berufskomiker und ließen sich auch von meiner Bestätigungsmail der Bookingagentur (weder dieses Wort, noch die Namen "Ingo" oder ""Rock This Town" waren ihnen geläufig) beeindrucken, Gästeliste gebe es nur von den Bands. Folglich holten sie den armen Kyrik von der MAGNIFICENT BROTHERHOOD (nein, ich wiederhole jetzt nicht den kompletten Namen) [wieso? Red.] dazu, der damit ja gar nichts zu tun hatte, aber netterweise vermittelnd eingriff und uns somit hereinlotste.



Nach der in Berlin meist in Kauf zu nehmenden Wartezeit (es war ja auch Freitagabend) standen dann (ok, ein Mal noch) THE MAGNIFICENT BROTHERHOOD OF ETERNAL LOVE & HAPPINESS CLOSE COMPANIONS auf der Bühne [geht doch; Red]. Zum Glück wurden sie nicht namentlich angekündigt, sonst wäre schon fast ein halbe Stunde vorbei gewesen. Natürlich schwer psychedelisch, dieser Name, aber merken kann man sich den erst nach dem zweiten Joint. Die noch recht frische Band besteht aus Todde an den Drums, Jan am Bass und den beiden von LIQUID VISIONS bekannten Kyrik an Gitarre und Gesang sowie Erik (der bei L.V. Bass spielt) an der Hammond Orgel und ebenfalls am Mikro. Ich weiß nicht, ob die LIQUID VISIONS nunmehr endgültig Geschichte sind (das wäre sehr schade), aber vielleicht nehmen sie auch nur eine längere Auszeit.

Die MAGNIFICENT BROTHERHOOD spielte in dieser Besetzung wohl erst das zweite Mal zusammen und entsprechend holperte es gelegentlich noch ein klein wenig, das wird sich aber sicherlich bald einrenken. Musikalisch sind sie etwas poppiger als LIQUID VISIONS, mit kürzeren Songs und weniger Spacerock-Anteil. Das ist eher lupenreiner Sixties-Psychedelia-Pop, irgendwo zwischen Paisley-Pop, Canterbury-Prog und Beatniks-Mucke mit Referenzen an die BYRDS, Alan Price, THE DOORS, die ZOMBIES, PROCOL HARUM oder CARAVAN. Kyriks Stimme finde ich doch ein wenig gewöhnungsbedürftig (war auch bei LIQUID VISIONS eher ein schwächerer Punkt), aber als Gitarrist ist er schon hervorragend. Vor allen Dingen ist er mit spürbarem Enthusiasmus bei der Sache und schafft es, nicht nur die Band, sondern auch das für derartige, oft leider schlecht besuchte Konzerte einigermaßen ansehnliche Publikum mitzureißen. Ein bisschen gesunder Lokalpatriotismus dazu und die Performance der MAGNIFICENT BROTHERHOOD darf als voller, bejubelter Erfolg angesehen werden.



SIENA ROOT hatten danach, außer mit den oben geschilderten kleinen Unannehmlichkeiten des Auftrittsorts, noch mit einem größeren Handicap zu kämpfen. An diesem Abend fehlte nämlich der unvergleichliche Oskar Lundström, der mit seiner souligen Stimme und seinem Orgelspiel der bluesgetränkten rockigen Siebziger-Jahre-Psychedelia erst den ultimativen Kick gibt. Zum Glück hinderte ihn wenigstens ein freudiger Anlass, er wurde nämlich Vater. Sein Ausfall wurde zumindest versucht zu kompensieren durch die Sängerin Sonja und einen verstärkten Einsatz von KG West. Der war nämlich nicht nur für die harten, knackig-rauen Gitarrentöne zuständig, sondern bediente auch die Sitar und die Orgel je nach Bedarf.

Zwar konnte man Oskar nicht gleichwertig ersetzen, dazu ist er einfach zu fantastisch, aber es blieb dennoch ein außergewöhnlich gutes Konzert einer durch und durch famosen Band, die einfach viel mehr Zuschauer verdient hätte (tatsächlich waren zwischenzeitlich schon einige gegangen). Sonja verfügt über eine fulminante Rockröhre (allerdings nicht ganz so variabel wie Oskar) und Drummer Love war mehr als nur der rhythmische Nährboden für die oftmals in Jams ausufernden Songs. Und der Bassist mit dem immer wieder schön auf der Zunge zergehenden Namen Sam Riffer, ist durch seinen beeindruckenden Afro schon optisch hervorstechend, dazu natürlich ein toller Sänger und eine wahre Groovemaschine. Trotz des deutlichen Retrobezugs klingen SIENA ROOT frisch und lebendig, bei aller Entspanntheit geben sie ordentlich Feuer und rocken gehörig das Haus. Gerade diese Balance aus psychedelischem Flair, relaxtem Jamming und hartem, bluesigem Rock hebt die Stockholmer neben ihrer geradezu unglaublich dichten Livepräsenz gegenüber anderen, vergleichbaren Bands hervor. SIENA ROOT ist immer wieder eine wundervolle Zeitreise und steht trotzdem mit beiden Beinen im Hier und Jetzt. Schon heute freue ich mich auf das nächste Konzert, dann wieder im kompletten Line-up, dieser tollen, für ihre Musik lebenden und in ihr aufgehenden Musiker.

Home of Rock enthüllt! Vertraulich teilte uns Ralf S., der Autor dieses Artikels, mit: "Ich hasse diese Supportband!" Diesen unerhörten Vorgang haben wir natürlich sofort der Antidiskriminierungskommission der Berliner Musikerpolizei gemeldet, denn einzig und alleine wegen einem Namen (den wir im übrigen für völlig normal und höchst eingängig halten) DARF eine Band nicht an den Pranger gestellt werden. Das sofort vollstreckbare Urteil der Kommission lautet: Ralf Stierlen muss zur Strafe 250 Mal den Namen THE MAGNIFICENT BROTHERHOOD OF ETERNAL LOVE & HAPPINESS CLOSE COMPANIONS auf eine Hauswand seiner Wahl sprayen!

back to Linse 15.07.2005