The Magnificent Brotherhood of Eternal Love & the Happiness's Close Companions

Live at
Alhambra, Luckenwalde, Germany
Saturday, 16.12.2006

by Äxl
photos by Thorsten Pfeiffer

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Es ist der Vorabend des dritten Advent. Mit Brotherhood auf Tour in Brandenburg, Teltow-Fläming County. Im Berliner Postbahnhof spielen an diesem Abend Sonic Youth ein erleuchtetes Konzert doch für echte Happiness's Companions gibt es keine Kompromisse. Equipment, Band & Companions passen in in zwei PKWs -- we’re going up the country, aus Moabit immer geradeaus nach Süden auf dem Highway 101. Luckenwalde, 20.000 Einwohner, die örtlichen Heads sagen Luckywood. Am Markt eine mittelalterliche märkische Kirche mit einem imposanten Turm aus Feldsteinen. Ein beleuchtetes Billboard in echten Fillmore-Stil begrüßt The Magnificent Brotherhood mit ihrem Bandnamen!

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Fillmore East in Luckenwalde

Hier, im Kultur- und Musikförderverein Alhambra, heißt Sebastian lässig & unprätentiös die Gang willkommen. Brian betreibt den Club im Foyer eines Kinos im Stil des neuen Funktionalismus der 1920er & lässt hier regelmässig Luckenwalder & Berliner Bands auftreten. Nach einer Reihe von Stonerkonzerten aus dem einschlägigen B.E.A.P. Umfeld verlangte es Brian nun nach „etwas anderen“. Brian gesteht nach dem Konzert eine leise Sorge, sein Booking der Magnificent Brotherhood hätte für sein Publikum & seine Kollegen zu „ungewöhnlich, zu klassisch Sixties“ sein können, zu "psychodelic", wie es der Flyer ausdrückt -- in Luckenwalde hört man Motorpsycho, aus Norwegen, so weit im Norden, wie es wohl noch keine Band aus Luckywood den Highway 101 hochgeschafft hat, Brian meint die sind "extrem in hier". Keine Sorge Brian, der DJ spielt "Go to California", und dahin hat doch Brotherhood bisher noch jedes Publikum entführt & zum Tanzen gebracht! Dann, nach dem Gig findet Brian zufrieden grinsend seine Sorge unbegründet, „denn alle fanden es super“ & wenn Brotherhood mal wieder vorbeikommen wolle, sei die Band dazu herzlich eingeladen.

Soundcheck zu Variationen über „Kicksville“. Pizza essen. Einige Flaschen Luckenwalder Bier werden geköpft, einige Tüten Kreisen, Partygag: transparente lange Blättchen aus was auch immer für einem Material, geschlaucht bei der hiesigen Kifferfraktion. Kurz vor dem Konzert zieht es Brotherhood auf der Suche nach Abenteuer auf den Weihnachtsmarkt zu Füßen des Kirchturms. Kleinstadtidyll, Bruder Todde bemerkt: „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Aber auch: Halbe-Treppe-Hartz-IV-Romantik in Weihnachtsstimmung & Wim Wenders schreibt das Drehbuch dazu. Einsamkeit trifft Trostlosigkeit & Andy Borg am Autoscooter. Die Brüder fröstelt. Im Festzelt tanzen generationenübergreifend & bierselig die Luckenwalder zu einer One-Man-Country-Band: Country Joe spielt mit seiner Gitarre, einer Drummaschine sowie einem Funkmikro populäre Nummern aus allen Jahrzehnten. Die Stimmung kocht hoch unter den Luckenwaldlern & zurück im Club beschließt die Band wenig später ihr eigenes Set mit Country Joe & The Fish’s „A thing called love“ zu eröffnen -- danke Country Joe aus Luckenwalde!

Demografischer Wandel, Abwanderung, Arbeitslosigkeit, doch in Luckenwalde gibt es junge Leute: 64 von ihnen, die meisten weit unter Zwanzig, haben sich zum Konzertbeginn eingefunden. In Luckywoood gilt noch die Gleichung alternativ = Rastalocken + Peru-Poncho! Bald, nach dem Abi, werden auch sie sich aufmachen nach Norden in die große Stadt, von der man hier ehrfürchtig-bewundernd, voller Komplexe ob der eigenen Provinzialität spricht.

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Mit einer schwedischen Introduction durch Bruder Erik stürzt sich die Band in ihr Set. Hier in Luckywood tanzt man, amüsiert sich, kennt man sich, ist untereinander. Der Stimmung wird nur kurz Abbruch getan, als der Bassverstärkers des Bruders Jan mitten im zweiten Song des Abends, „Camera“, ausfällt. Doch der zweite Take des Songs setzt nach erfolgeicher technischer Improvisation das Set fort, das sich nun kompetent durch viele Lieblingsnummern eines true Companions rockt: „Cracker“, „Gun or run“, "Mimi’s tune“, „The golden road to unlimited devotion“ und dann „Kicksville“, leider ohne Jam, aber heute natürlich für Luckenwalde.

„Wenn ihr CDs, T-Shirts, Buttons kaufen wollt -- läuft nicht, haben wir nicht!“, so gewinnt Bruder Kiryk die Herzen der Zuhörer, kein Kommerz, nichts als Party, nur Tanzen, dem Groove ergeben! Bruder Kiryks Soli werden mit Szenenapplaus bejubelt, sie fahren den Luckywoodlern in die Beine & den beiden Companions direkt ins winterwunde Herz! Das ganze Set über gehen alle vier Brüder konzentriert & befeuert durch das animierte, tanzende Publikum zur Sache: „Streets of your town“ wird Luckywoods very own Country Joe gewidmet, „Psychosis“ (mit Gitarren-Intro) warnt vor Drogen (Erik: “Das ist ein Song über mich”), “Last song about you” ist längst als neuer Hit etabliert. Einzig der „Drifter“ wird heute, gemessen an den letzten zwei Versionen, die pure Magie durch den Einschub des Straw Fever Stückes „Summer“ verströmten, wie beim Malen nach Zahlen präsentiert, doch vielleicht liegt es an dem Publikum, das, überwiegend in Tanzlaune, dem Duell der sprechenden Gitarre & Orgel der Brüder Kiryk & Erik nicht recht folgen kann. Dafür wird die Zugabe „Better hurry“ als ein einziges flirrendes, sich steigerndes Etwas dargeboten, wohl knapp zwanzig Minuten im Endlosstrudel einer linearen Steigerung -- diese Version nimmt das Publikum, das jede Steigerung mit Juchzen quittiert, in voller Fahrt mit zum Höhepunkt!

Das Set hinterlässt Luckenwalde befriedigt. Saturday Night mit The Magnificent Brotherhood, das heißt eine gute Zeit mit einer Band die zum Tanz aufspielt, erlebbar für jeden, ganz jenseits von West Coast & Psych Expertentum, just schlichter Garagenboogie made to make you dance! Und so mangelt es auch nicht an Angeboten an die Band -- ein weiterer Besuch in Luckywoods Alhambra am Highway 101 ist schon fast eingeplant, und was soll man wohl von dem Angebot einer verruchten Luckenwalder Lady halten alle vier Brüder für 500 Euro pro Nase für ihre Party zu engagieren -- allerdings unter einer Bedingung! -- sie müssen nackt auftreten...?!

Später dann, vier Uhr nachts, zurück in Moabit, die Brüder teilen sich die Ausbeute des Tages, zehn lumpige Euro für jeden, der Adventmorgen ist dunkel & feucht aber we like music most of all!!! Danke Luckenwalde, danke Brian! Band & Companions haben Hunger auf mehr, nächstes Jahr, im Frühling, vielleicht wieder auf dem Highway 101 & natürlich further up the road! Aber erstmal begehen wir auch den vierten Advent, die Nacht vor der holy night, im Zeichen ewiger Bruderliebe mit The Magnificent Brotherhood of Eternal Love & the Happiness's Close Companions!
(khm)

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