The Magnificent Brotherhood of Eternal Love & the Happiness's Close Companions

Live at
Zosch, Berlin (D)
23.12.2006

 Review by Äxl
Pictures by Aljona & Thorsten



Spielt hier heute die Band mit dem langen Namen?“ lautet eine häufig gestellte Frage am Einlass. Ja, The Magnificent Brotherhood of Eternal Love & the Happiness's Close Companions spielen, so steht’s in der Zitty, also Leute, nur hereinspaziert zum Weihnachtskonzert im Zeichen von Fuzz, Farfisa und Kalifornien.


Posters! (Thorsten)

Das geballte Hippievokabular im Zungenbrecher des Bandnamens verspricht eine musikalische Zeitreise in das Jahr 1966, als Grateful Dead noch The Warlocks hießen, LSD noch nicht verboten war und die Konzerte noch interaktive Tanzveranstaltungen mit psychedelischer Musik und Lightshow waren. Für ihr letztes Konzert des Jahres 2006 rocken die Magnificent Brothers in der vierten Adventsnacht das Zosch, hier im gemütlichen Keller glänzten sie bereits im März mit einem beeindruckenden Gig, der vielen Fans damals als der beste der Band bisher galt. Im Laufe des Jahres folgten noch viele weitere tolle Gigs, kaum vermag man zu sagen, welcher der schönste war, mit den Brüdern kommt man eben rum in den Clubs der Stadt sowie im Lande z.B. zu Festivals in Sachsen und Bayern oder sie führen einen wie letzte Woche in Luckywoods Alhambra. Mit zwei Coversongs geht’s gleich ohne viel Gewese sehr programmatisch los: Country Joe & The Fishs „A thing called love“ und “The golden road to unlimited devotion” von den Dead, die Brüder musizieren mit Nachdruck, den Sound voll auf West Coast. „Geht’s euch gut?“, „Na klar!“, denn es dauert nicht lange bis klar ist, wo es hier langgeht: Drei Minuten Nummern, getrieben von Bruder Kiryks metallischer Gitarrensound im steten Duell mit Bruder Eriks prominenter Orgel unterlegt von einem flexiblen Groove durch die Brüder Jan & Todde am Bass und Schlagzeug. Der Gesang ist zweistimmig und ungeschliffen, die prägnanten Songs taugen allesamt zu Garagenklassikern und die quirligen Soli animieren zum Tanzen.

An eigenem Material gibt’s das energisch-simple „Cracker“, „Camera“, „Kicksville“ und das klassische angehauchte „No mercy on ravers“. „Old tattoo“ & „Gun or run“ werden als wütende Kracher dargeboten, extremer, schräger, ironischer Garagenpunk, beide Lieder über die Vergangenheit der Brüder, letzterer heute sogar mit Erklärung von Erik: „…über die Faschos in Schweden, die mich in den Knast geschmissen haben…“. Und dann noch ein paar Coverversionen, letztes Mal im Zosch gab’s die Rarität „I just wanna make love to you“, heute verlassen sich die Brüder eher auf die altbewährte Coverauswahl: „My flash on you“ von Love und natürlich „The drifter“ von H.P. Lovecraft, der Brüder Improvisationsvehikel schlechthin. Die Orgel streikt, mitten im Song, der „Drifter“ taumelt kurz, doch dann geht sie wieder und der Jam nimmt noch mal Fahrt auf, intensiver und angestachelter als zuvor, die Gitarre schneidet sich tief ins mind!


setlist

Das Publikum genießts und groovt sich durch durchs Set: selbstvergessen wird getanzt, die punkige Mädchen-Friedrichshain-Posse macht ne Party neben dem selbstvergessenen alternativen Hippie, alle Köpfe nicken, auch dem etwa knapp fünfzigjährigen Deadhead gefällts, den Arm gereckt bis an die Ziegelsteindecke des Zoschkellers, begleitet er jedes Solo mit kennerhaften Nicken. Wer zum ersten Mal da ist, staunt nicht schlecht über die Originalität der Brüder, denn ein Blickfang sind sie, auf der einen Seite Bruder Kiryk im Samtjacket, er wird geschüttelt & beherrscht von seiner Gitarre, der schlaksige Bruder Erik auf der anderen Seite, tief gebeugt über seine Orgel, der Pilzkopf fliegt & tropft!



Es ist spät geworden, das Zosch bläst zum letzten Vorhang um Zwölf, doch die Brüder, in voller Fahrt, sind nicht zu stoppen. „Psychosis“ muss noch, der Song prescht nach Vorne, voll aufgedrehter Schweinerock, die Orgel treibt und dröhnt, dem Groove kann man nicht entkommen, Psy-cho-sis! Dann noch „Mind garage“, als letzter Song des Sets, auf der Setlist eigentlich noch drei Nummern: der Klassiker „Lifetime“, der neue Hit „Last song about you" und das exzellente „Soma shop“, sie müssen ersatzlos wegfallen, dafür „Mind garage“ heute im ersten Teil flüssiger denn je, Bruder Kiryk entfesselt, schon nur noch im ärmellosen Hemd.

Dann, zur Zugabe, die Nacht ist bereits weit fortgeschritten, doch ein Song fehlt noch, denn der eigentliche Star des Abends, Bruder Todde an den Drums, wurde noch gar nicht geehrt, dies wird sein letztes Konzert als festes Mitglied der Band sein! Ein tolles „Better hurry“, zwar unter Zeitdruck, aber im Solo noch beißender und gleißender als letztes Wochenende bringt dann den letzten Applaus für Bruder Todde, der als Gründungsmitglied, seit drei Jahren, den Sound von The Magnificent Brotherhood wesentlich mitgeprägt hat. Sein elastisches und flexibles Spiel ließ die Band rocken und vorranrollen, ließ die anderen Brüder fließen und schweben, manchmal wackelte und taumelte ein Song, ein Einsatz, ein Rhythmus, doch Todde spielte immer offen genug um Kiryk nach dem Patzer zum nächsten Höhepunkt zu folgen & dem weltbesten Prenzlberger Gitarristen den Groove zu geben!

Aber jetzt, hier, für den Moment, im Keller eines Clubs in Berlin Mitte, zählt nur der Rhythmus von „Better hurry“, Bruder Kiryk gibt das Tempo vor, messerscharf sein Spiel, ein letzter ausgelassener Tanz, endlos das Solo, dann doch noch eine Atempause, die Band takes it down, der Jam wird leiser, aber schon kündigt sich die letzte Steigerung nach gut zehn fast ausschließlich atemlosen Minuten an. Das Konzert ist vorbei, ausgelassene und verschwitze Gesichter unter den Anwesenden jetzt überall, recht kurz war der Tanz heute mit den Brüdern der ewigen Liebe, ganz konnten sie sich nicht entfalten, sie hinterlassen einen tanzhungrig, aber sie spielen oft, nächstes mal dann sicher auch alle Nummern, die wir heute vermisst haben!

Good-bye nun Bruder Todde, good-bye auch 2006, bald beginnt eine neue Ära für die Brüder, ganz bald, im Bassy Cowboy Club am 13. Januar 2007, wenn es wieder heißt live on stage in person The Magnificent Brotherhood of Eternal Love & the Happiness’s Close Companions!
(khm)

back to Berlin 23.12.2006